BESCHWERDEN LEXIKON

Kieferschmerzen und Zähneknirschen

Zuerst ein wichtiger Hinweis:
Kieferschmerzen und Zähneknirschen sollten in jedem Fall zuerst von einem Arzt abgeklärt werden!

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Mögliche Ursachen von Kieferschmerzen und Zähneknirschen

Kurz gesagt liegen die Ursachen für Kieferschmerzen und Zähneknirschen vielfach an unseren Essgewohnheiten oder dem psychischen Druck, dem wir ausgesetzt sind. Unsere Ernährung wird of viel zu weich und kleingeschnitten («mundgerecht») zubereitet. Wer beisst heute noch in einen grossen Apfel? Selbst Zahnärzte beklagen, dass die Patienten den Mund oft nicht weit und lange genug öffnen können.

Der psychische Druck wird immer grösser. Oft «beissen wir die Zähne zusammen» oder «öffnen den Mund nicht», um unliebsame Situationen auszuhalten.

Folgen

Diese «Nichtbewegung» führt schlussendlich dazu, dass der Körper sein muskulär-fasziales Gewebe Ihrem Bewegungs-Alltag anpasst und so die Spannung der Kaumuskulatur zunimmt.

Dadurch wird der Blut- und Lymphfluss in den Gefässen in diesem Bereich behindert und die elektrischen Impulse der Nerven werden eingeschränkt.

Durch die zu hohe Spannung der Kiefermuskulatur kann es zu Fehlstellungen des Kiefergelenkes kommen. Im schlimmsten Fall kann auch das Kiefergelenk aushaken.

Der Wärme-Test

In vielen Fällen kann trotz modernster Diagnoseverfahren keine Ursache für Kieferschmerzen oder Zähneknirschen festgestellt werden. Ist das bei Ihnen auch der Fall, kann eine zu hohe Spannung des muskulär-faszialen Gewebes die Ursache dafür sein.

Sie können mit einem einfachen Test feststellen, ob Ihre Beschwerden vielleicht muskulär-faszialen Ursprungs sind: Wenden Sie Wärme in Form einer Bettflasche, eines Kirschensteinkissens oder eines Cold-Hot-Packs an der schmerzenden Stelle an. Hilft Ihnen diese Wärme, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch eine Therapie in meiner Praxis erfolgreich sein wird.

Kieferschmerzen und Zähneknirschen selber behandeln

Unbedingt beachten!

Bevor Sie mit dem Üben beginnen, beachten Sie bitte folgende Hinweise:

  • Atmen Sie während der Übung ruhig und achten Sie jederzeit auf Ihren Atem! Wenn Sie feststellen, dass Sie Ihren Atem anhalten oder sich körperlich oder mental anstrengen müssen, um die Übung auszuhalten, verringern Sie die Dehnung! Die Atmung muss während der ganzen Zeit ruhig und gleichmässig fliessen, ohne dass Sie sich auf die Atmung konzentrieren müssen.

  • Bewegen Sie sich langsam und bewusst! Geschwindigkeit (und die daraus entstehende Dynamik) kann Ihren Körper überfordern.

  • Sie dürfen sich nur langsam in die Position hinein und auch nur langsam wieder zurück aus der Position bewegen! Selbstverständlich bewegen Sie sich noch langsamer, wenn bereits eine Schädigung besteht.

  • Achten Sie bei der Durchführung der Übung stets auf die Signale Ihres Körpers! Er wird Sie mit deutlichem Alarmschmerz von Positionen abhalten, die Schädigung verursachen können.

  • Nach Operationen müssen Sie zuerst die Erlaubnis Ihres Arztes für Dehnübungen einholen!

  • Ihre Wahrnehmung darf nicht durch Medikamente, Alkohol, Drogen oder Krankheit eingeschränkt sein!

  • Die folgenden Übungen ersetzen keinen Arztbesuch! Bessern sich Ihre Beschwerden nicht, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf! Sie üben eigenverantwortlich, eine Haftung wird vom Autor ausdrücklich abgelehnt!

Nur wenn Sie dies alles beachten, dürfen Sie die Übung durchführen!

Übungen gegen Kieferschmerzen und Zähneknirschen

Zwei Übungen, die häufig gegen Kieferschmerzen und Zähneknirschen helfen:

Regeln zum Erfolg:

  1. Üben Sie langsam um bewusst: die Atmung soll regelmässig fliessen und ein allfälliger Dehnschmerz positiv ertragbar sein. Gehen Sie langsam in die Dehnung und auch langsam wieder aus der Dehnung.
  2. Dehn-Dauer: Zwei bis zweieinhalb Minuten dehnen pro Übung sind notwendig.
  3. Regelmässigkeit: Üben Sie zweimal täglich an sechs Tagen die Woche. Ein Tag bleibt übungsfrei
  4. Geduld: Geben Sie Ihrem Körper Zeit, sich zu verändern. So wie die Beschwerden nicht über Nacht entstanden sind, werden Sie auch nicht über Nacht verschwinden.
  5. Zeit: Üben Sie maximal 15 Minuten pro Übungseinheit (z. B. eine Übungseinheit am Morgen, eine zweite am Abend). Wenn Sie in dieser Zeit nicht alle Übungen schaffen, macht das nichts. Zum Start der nächsten Übungseinheit beginnen Sie mit der Übung, die Sie das letzte Mal nicht gemacht haben.

Übung 1: Die Kiefer-Übung

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Setzen Sie sich aufrecht und bequem auf einen Stuhl und legen Sie den Kopf etwas zurück.

Formen Sie mit dem Daumen und der Zeigefinger der rechten oder linken Hand eine L-Form und setzen Sie diese „L“ an Ihren Unterkiefer, oberhalb vom Kinn.

Öffnen Sie nun den Mund langsam und bewusst so weit wie möglich und ziehen Sie ihn mit Hilfe der Hand immer weiter auf.

Verstärken Sie diese Dehnung nun während zwei bis zweieinhalb Minuten zunehmend. Achten Sie immer darauf, dass Sie ruhig und gleichmässig Atmen können und trotzdem eine starke Dehnung spüren. Dehnen Sie nur so weit, wie Sie nicht körperlich oder mental gegen den Dehnschmerz ankämpfen müssen.

Übung 2: Die Kiefergelenk-Übung

Übung 2:
Die Kiefergelenk-Übung

Setzen Sie sich aufrecht und bequem auf einen Stuhl und halten Sie den Kopf gerade, indem Sie die Halswirbelsäule hinten „lang machen“ (das gelingt, wenn Sie das Kinn leicht zum Kehlkopf ziehen, resp. ein „Doppelkinn“ machen).

Öffnen Sie nun den Mund leicht (wirklich nur wenig) und ziehen Sie mit Hilfe der rechten Hand den Unterkiefer nach rechts. Halten Sie den rechten Ellbogen dazu auf Schulterhöhe.

Verstärken Sie diese Dehnung nun während zwei bis zweieinhalb Minuten zunehmend. Achten Sie immer darauf, dass Sie ruhig und gleichmässig Atmen können und trotzdem eine starke Dehnung spüren. Dehnen Sie nur so weit, wie Sie nicht körperlich oder mental gegen den Dehnschmerz ankämpfen müssen.

Wiederholen Sie diese Übung auch auf der linken Seite!

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Setzen Sie sich aufrecht und bequem auf einen Stuhl und halten Sie den Kopf gerade, indem Sie die Halswirbelsäule hinten „lang machen“ (das gelingt, wenn Sie das Kinn leicht zum Kehlkopf ziehen, resp. ein „Doppelkinn“ machen).

Öffnen Sie nun den Mund leicht (wirklich nur wenig) und ziehen Sie mit Hilfe der rechten Hand den Unterkiefer nach rechts. Halten Sie den rechten Ellbogen dazu auf Schulterhöhe.

Verstärken Sie diese Dehnung nun während zwei bis zweieinhalb Minuten zunehmend. Achten Sie immer darauf, dass Sie ruhig und gleichmässig Atmen können und trotzdem eine starke Dehnung spüren. Dehnen Sie nur so weit, wie Sie nicht körperlich oder mental gegen den Dehnschmerz ankämpfen müssen.

Wiederholen Sie diese Übung auch auf der linken Seite!

Bitte beachten!

Führen Sie die Übungen während mindestens zwei Wochen zwei Mal täglich durch und achten Sie auf Veränderungen Ihrer Beschwerden oder Schmerzen.

Gibt es eine positive Veränderung? Üben Sie weiter! Nach und nach baut ihr Körper das muskulär-fasziale Gewebe in seine ursprüngliche Struktur zurück und die Beschwerden werden weniger.

Nehmen Sie die Veränderungen eher negativ wahr, werden Ihre Beschwerden schlimmer? Üben Sie bitte auch weiter, aber viel weniger intensiv! Die Dehnung war zu stark, was Ihren Körper zu mehr Warnsignalen veranlasst.

Können Sie gar keine Veränderung feststellen, sollten Sie Ihren Arzt nochmals um genauere Untersuchungen bitten oder vereinbaren Sie einen Termin, damit wir uns das gemeinsam ansehen können.

Sie können Veränderungen positiver Art feststellen, sind aber mit dem Erreichten noch nicht zufrieden oder haben aber weitere Fragen? Oder Sie möchten noch mehr effiziente Übungen zu gleichen, ähnlichen oder ganz anderen Beschwerden kennenlernen? Zögern Sie nicht und vereinbaren Sie einen Termin.

Weiterführende Links und Informationen

Zu diesem Thema finden Sie im Folgenden weitere, interessante Artikel:

Liebscher & Bracht Schmerzlexikon: Zähneknirschen (Bruxismus) (abgerufen am 25.06.2023)

NetDoktor: Zähneknirschen (Bruxismus) (abgerufen am 25.06.2023)